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Steuerberater Berlin HPTP GmbH
MAI 2012

Liebe Galeristinnen und Galeristen,
liebe Künstlerinnen und Künstler,
liebe Kunstmartkakteure und -akteurinnen,

sieben oder neunzehn – das ist noch immer die Frage!

Bereits kurz nach Bekanntgabe, Ende Februar, hatten wir Sie in unserem Spezial-Newsletter „Kunst&Steuern“ über die unerwartete Forderung der Europäischen Kommission informiert: Deutschland solle die Umsatzsteuer für Kunst von sieben auf 19 Prozent anheben. Zwei Monate um zu reagieren wurden der Bundesrepublik damals eingeräumt.

Seitdem ging das Thema durch alle Medien, Verbände haben Erklärungen herausgegeben, man empörte sich und sprach sich unisono für die Erhaltung der deutschen Regelung aus. Die angeführten Argumente waren oft richtig, vor allem wenn sie die Bedeutung der reduzierten Umsatzsteuer für die Kunst- und Kulturförderung Deutschlands in den Vordergrund stellten, die Pionierarbeit der Galerien auf eben diesem Gebiet betonten oder die Ware Kunst mit der Ware Buch verglichen, die schließlich auch mit dem ermäßigten Mehrwertsteuersatz begünstigt werde.

Andere schossen übers Ziel hinaus. Zuletzt vielleicht Christian Herchenröder mit seinem Artikel im Handelsblatt vom 5. Mai 2012. Dort nahm der ansonsten hoch geachtete Kunstmarkt-Experte es mit der Recherche zu den Umsatzsteuer-Regelungen in anderen EU-Staaten eher nicht so genau: Es ist richtig, dass in der Schweiz lediglich acht Prozent Mehrwertsteuer auf den Galerie-Verkauf von Kunstwerken anfallen. (Auch wenn in dem Artikel von 7,6 Prozent die Rede ist – eine Falschangabe, die die Süddeutsche Zeitung in ihrem Artikel vom 16. Mai dann auch noch abgeschrieben hat, obwohl ein Blick zu Wikipedia genügt hätte.) Wie dem auch sei, ist dieser Prozentsatz im Steuerparadies Schweiz sowieso in keinem Fall ein ermäßigter, sondern schlichtweg der Normalsatz mit dem alle Verbrauchsgüter in dem Alpenstaat belegt werden. Auch England hat, anders als im Artikel behauptet, nicht generell einen ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Kunst. Vielmehr findet sich die Reduzierung tatsächlich bei der  Einfuhrumsatzsteuer. Diese fällt bei der Einfuhr von Kunstgegenständen aus Drittländern an – also beim Geschäft mit Künstlern außerhalb des europäischen Gemeinschaftsgebietes. Und es stimmt: In Deutschland ist diese Einfuhrumsatzsteuer direkt an die „normale“ Umsatzsteuer gekoppelt und würde sich entsprechend ebenfalls erhöhen. Auch in Portugal – anders als in einigen Artikeln behauptet – ist lediglich der Künstler selbst beim Verkauf von Kunstwerken begünstigt (6 Prozent ermäßigter Umsatzsteuersatz). Der von den Galerien auf Rechnungen an Sammler ausgewiesene Steuer-Mehrbetrag liegt hingegen bei den landesüblichen 23 Prozent.

Peanuts? Erbsenzählerei? Vielleicht. Doch sollte man bei der Argumentation gegen die Erhöhung der Umsatzsteuer auf Kunstwerke wohl besser bei den Tatsachen bleiben – der Gegner nimmt einem sonst den Wind schneller aus den Segeln, als man diese setzen kann.

Die Bundesregierung hat bereits verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, um die Auswirkungen auf den Kunsthandel abzumildern: Diese reichen von der Erhöhung des Ankaufsetats für Kunstmuseen bis zur Erhöhung des Bundeszuschusses zur KSK. Dennoch machen sich die sonst so gern auf Vernissagen Champagner schlürfenden Politiker eher rar, wenn es um die Verteidigung der deutschen Steuerregelung für den Kunsthandel geht. Von den Akteuren der Branche selbst favorisiert wird inzwischen offenbar das Modell aus Frankreich. Bei unserem westlichen Nachbarn wird bei Galerieverkäufen lediglich ein pauschal angenommener Gewinn von 30 Prozent besteuert – eine Regelung, die die EU zu akzeptieren scheint und die durchaus auch in deutsches Recht gegossen werden könnte.

Erst einmal ist die Zwei-Monats-Frist aber nahezu stillschweigend verflogen und bisher gibt es keine verlässlichen Informationen, ob die Bundesregierung eingeknickt ist oder es auf den Streit und ein Gerichtsverfahren mit der EU ankommen lässt. Leider ist von letzterem eher nicht auszugehen. Auch die wünschenswerte Option, der deutsche Sonderweg möge statt ihn hierzulande abzuschaffen auf alle anderen 26 EU-Staaten ausgedehnt werden, wird wohl ein schöner Traum bleiben.

Künstler selbst sind übrigens von der Neuregelung aller Voraussicht nach ausgenommen: Sie würden ihre Werke – ob an Sammler oder Galerien – weiterhin mit sieben Prozent Staatsaufschlag verkaufen.

Wir werden Sie in jedem Fall weiter auf dem Laufenden halten!

Ihr Team von H/P/T/P/

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