Zurück zum Archiv
04.03.2022

Neue Grundsteuerreform

Die Grundsteuer bezieht sich bislang immer noch auf Einheitswerte aus 1935 (neue Länder) bzw. aus dem Jahr 1964 (alte Länder). Mittlerweile haben sich die Grundstückswerte stark verändert, sodass es zu Wertverzerrungen kommt und für gleichartige Grundstücke unterschiedliche Grundsteuern anfallen. Um eine gerechte Grundsteuer zu schaffen, wurde im November 2019 das Grundsteuer-Reformgesetz beschlossen, welches zum 1. Januar 2025 in Kraft tritt

Es gilt weiterhin zwischen land- und forstwirtschaftlichem Vermögen (Grundsteuer A) und dem Grundvermögen, zu dem alle weiteren Grundstücke zählen (Grundsteuer B), zu unterscheiden. Die Grundsteuer berechnet sich wie folgt:

Grundbesitzwert x Steuermesszahl x Hebesatz = Grundsteuer

Neben der Grundstücks- und Wohnfläche ist die Gebäudeart, das Baujahr und der Bodenrichtwert für die Berechnung des Grundbesitzwertes im Bundesmodell entscheidend. Sollte sich das Grundsteueraufkommen aufgrund der Neubewertung verändern, können die Städte und Gemeinden die Hebesätze anpassen. Die einzelnen Länder haben jedoch die Möglichkeit andere Regelungen, als im Bundesmodell vereinbart, zu treffen. Davon machen die Länder in unterschiedlicher Weise Gebrauch: 

  • Baden-Württemberg: modifiziertes Bodenwertmodell
  • Bayern: wertunabhängiges Flächenmodell
  • Hamburg: Wohnlagemodell
  • Hessen: Flächen Faktorverfahren
  • Niedersachsen: Flächen-Lage-Modell
  • Saarland und Sachsen: Bundesmodell (mit abweichenden Messzahlen)

Alle weiteren Bundesländer wenden das Bundesmodell an.

Was müssen Grundstücksbesitzer nun tun?

Auf den 1. Januar 2022 werden neue Grundstückswerte festgestellt, die der Grundsteuer ab Januar 2025 zugrunde gelegt werden. Voraussichtlich zwischen dem 1. Juli 2022 und dem 31. Oktober 2022 müssen Grundstückseigentümer die Erklärung zur Feststellung des Grundsteuerwerts an das Finanzamt übermitteln. Für diese Erklärung nach dem Bundesmodell werden folgende Informationen benötigt:

  • Grundstücksart (Wohngrundstück, andere Bebauung, unbebaut)
  • Eigentumsverhältnisse
  • Fläche des Grundstücks
  • Gemarkung und Flurstück des Grundvermögens
  • bisherige Einheitsbescheide hinsichtlich Aktenzeichen, Steuernummern und Nummerierung der Gebäude
  • Grundbuchauszüge hinsichtlich Grundbuchblattnummer, Flurstücknummer, Grundstücksflächen und ggf. Bruchteilen sowie
  • Unterlagen zur Flächenberechnung sowohl der Wohnfläche für das Ertragswertverfahren als auch der Bruttogrundfläche für das Sachwertverfahren.

Für die Bundesländer, die sich nicht an dem Bundesmodell orientieren, können die erforderlichen Informationen abweichend sein. Entscheidend für alle Angaben ist dabei der Stand zum Stichtag 1. Januar 2022.

Die Feststellungserklärung kann nur elektronisch, voraussichtlich ab dem 1. Juli 2022, an das Finanzamt übermittelt werden. Wir werden unsere Mandanten, bei denen wir Kenntnis vom Grundbesitz haben, im Frühjahr 2022 anschreiben und um Abgabe der entsprechenden Unterlagen bitten. Bis zu diesem Zeitpunkt bitten wir Sie die oben genannten Unterlagen bereitzulegen. 

Für weiterführende Informationen laden wir Sie herzlich zu dem von Engel&Völkers und HPTP organisierten Webinar zum Thema „Grundsteuerreform – was ist zu tun?“ am Donnerstag, 17. März von 18:00 bis 20:00 Uhr ein. Unser Partner Robert Oschlies (RA, StB) informiert Sie zu diesem Thema und steht im Anschluss für Fragen zur Verfügung. Melden Sie sich hier an.