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02.12.2021

Verpflichtender Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung

Seit dem 1. Januar 2019 müssen Arbeitgeber – wenn Arbeitnehmer einen neuen Vertag zur betrieblichen Altersvorsorge abschließen – einen Zuschuss von 15 % zahlen, wenn bei der Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden. Für ältere Entgeltumwandlungsverträge gilt bislang eine Übergangspflicht, die bald endet. Ab dem 1. Januar 2022 wird dieser Zuschuss verpflichtend für alle Verträge in der Direktversicherung, Pensionsfonds und Pensionskasse. Tarifverträge ermöglichen eine abweichende Regelung. Der Arbeitgeber haftet dabei für die Einbußen, die den Arbeitnehmern entstehen, wenn er seine gesetzliche Zuschusspflicht nicht einhält.

Die Anpassung, insbesondere von Altverträgen, wird in der Praxis oft zu einer Herausforderung, da die Verträge aller Arbeitnehmer mit betrieblicher Altersvorsorge angepasst werden müssen. Dabei ist danach zu unterscheiden, ob bisher ein Zuschuss gewährt wurde oder nicht. 

Arbeitgeber zahlte bisher keinen Zuschuss
Wurde vom Arbeitgeber bisher kein Zuschuss gezahlt, gibt es für die Umsetzung des verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit 1: zusätzlicher Arbeitgeberzuschuss
Arbeitgeber können den gesetzlich verpflichtenden Arbeitgeberzuschuss als einen Pauschalbetrag von 15 %, durch einen Nachtrag zur Entgeltumwandlungsvereinbarung leisten.

Beispiel:
Der Arbeitnehmer wandelte bisher EUR 100 um. Ab 1. Januar 2022 muss der Arbeitgeber diesen Betrag mit 15 % (EUR 15) bezuschussen, wenn durch diese Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge eingespart werden. Der Beitrag erhöht sich somit auf EUR 115. Eine Vereinbarung, dass der Zuschuss auf die gesetzliche bzw. tarifvertragliche Verpflichtung angerechnet wird, kann sinnvoll sein, insbesondere bei höheren Zuschüssen als dem gesetzlichen Minimum.

Möglichkeit 2: Gleichbleibender Betrag
Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren eine gleichbleibende Höhe des Beitrages, der an den Versicherer abgeführt wird. Nur die Aufteilung wird verändert. Der Arbeitnehmer verringert seinen Eigenanteil.

Dies ist besonders zu empfehlen, wenn alte Tarife nicht mehr erhöht werden können. Diese Möglichkeit muss mit jedem Arbeitnehmer einzeln vereinbart werden und die Entgeltumwandlungsvereinbarung entsprechend abgeändert werden, was mit einem höheren bürokratischen Aufwand verbunden ist. Wichtig ist, dass diese Vereinbarung vor dem 1. Januar 2022 geschlossen wird.

Beispiel:
Der Arbeitnehmer hatte bisher EUR 100 umgewandelt. Ab 1. Januar 2022 muss der Arbeitgeber diesen Betrag mit 15 % (EUR 15) bezuschussen, wenn er durch die Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart. Ab 1. Januar 2022 vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer, dass der Arbeitnehmer zukünftig EUR 86,96 umwandelt und der Arbeitgeber einen Zuschuss von EUR 13,04 leistet. Sinnvoll erscheint es auch hier zu vereinbaren, dass der Arbeitgeberzuschuss ausdrücklich auf die gesetzliche bzw. gegebenenfalls tarifvertragliche Verpflichtung angerechnet wird.

Arbeitgeber müssen sich entscheiden, ob sie pauschal allen Mitarbeitenden einen Zuschuss in Höhe von 15 % gewähren oder nur den Arbeitnehmern, bei denen Sozialabgaben gespart werden, den Zuschuss zahlen. 

Arbeitgeber zahlte bisher einen freiwilligen Zuschuss
Auch Arbeitgeber, die bisher einen freiwilligen Zuschuss zahlten, müssen vor dem 1. Januar 2022 aktiv werden. Soll der bisher freiwillig gezahlte Zuschuss in einen Pflichtzuschuss umgewandelt werden, muss der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer eine Anrechnungsklausel vereinbaren und zwar vor dem 1. Januar 2022. Ohne eine entsprechende Anrechnungsklausel, fällt ab 1. Januar 2022 der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss zusätzlich zum bisher schon gezahlten Zuschuss an.     

Argumente für einen pauschalen Arbeitgeberzuschuss
Auch wenn der pauschale Zuschuss von 15 % über den tatsächlichen Sozialversicherungsersparnissen liegt, kann es sinnvoll sein den pauschalen Arbeitgeberzuschuss anzuwenden. Die pauschale Ermittlung führt zu weniger Fehlern, ist transparent für alle Mitarbeitenden und mit einem geringeren Verwaltungsaufwand verbunden. Insgesamt ist dies jedoch von der Gehaltsstruktur im jeweiligen Unternehmen abhängig. Arbeitgeber sollten abwägen, ob die mögliche Kostenersparnis den höheren administrativen Aufwand rechtfertigt. 

Sollten Sie es nicht bereits getan haben, empfehlen wir Ihnen Ihre Verträge zu prüfen und Entgeltumwandlungsvereinbarungen ggf. zu ändern. Bei weiteren Fragen wenden Sie sich am besten direkt an Ihren zuständigen Versicherungsvermittler. Wir stehen Ihnen natürlich wie immer auch gerne für Fragen zur Verfügung.