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Verwirklichung steuerbegünstigter Zwecke im Ausland

Globalisierung ist einer der Megatrends, die auch – oder gerade – vor gemeinnützigen Tätigkeiten nicht Halt machen. Nicht nur im Bereich der Entwicklungs- oder Katastrophenhilfe ist grenzüberschreitende Kooperation angesagt. Ein Agieren über Grenzen hinweg ist zunehmend auch in Bereichen wie der Förderung von Wissenschaft, Kultur, Natur- und Umweltschutz sinnvoll. Die Bedeutung grenzüberschreitender Tätigkeiten von Stiftungen oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen nimmt also stetig zu. Doch wenn eine Non-Profit-Organisation gemeinnützige Zwecke im Ausland verfolgt oder Mittel an Einrichtungen im Ausland weitergibt, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit der Status der Gemeinnützigkeit nicht in Gefahr gerät.

Mittelverwendung im Ausland durch inländische Körperschaften

Grundsätzlich können gemeinnützige Zwecke im Ausland verwirklicht werden. Voraussetzung dafür ist, dass entweder natürliche Personen gefördert werden, die ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, oder die Tätigkeit der Stiftung, gGmbH oder des Vereins das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland im Ausland erhöht. Diese Voraussetzung wird auch als „struktureller Inlandsbezug“ bezeichnet.

Bei inländischen Einrichtungen wird unterstellt, dass dieser Inlandsbezug gegeben ist, auch wenn sie sich personell, finanziell, planend, schöpferisch oder anderweitig an der Förderung gemeinnütziger oder mildtätiger Zwecke im Ausland beteiligen.

Voraussetzung ist jedoch, dass grenzüberschreitende Zweckverwirklichung grundsätzlich zu den Satzungszwecken gehört. Die Mittelverwendung im Ausland kann durch die gemeinnützige Einrichtung selber oder durch eine Hilfsperson erfolgen. Auch können Mittel (ganz oder teilweise) einer sogenannten Fördereinrichtung an eine ausländische gemeinnützige Organisation weitergegeben werden. Voraussetzung für die Mittelweitergabe ist jedoch, dass der Zuwendungsempfänger im Ausland einer deutschen gemeinnützigen Organisation gleicht.

Nachweis der Mittelverwendung inländischer Stiftungen

Wie auch bei Spenden von Privatpersonen ins Ausland (siehe HPTP Newletter Juni 2019), so prüfen die deutschen Finanzbehörden bei der Mittelverwendung inländischer Stiftungen im Ausland sehr genau, ob die zweckentsprechende Verwendung der Zuwendungen gegeben ist. Stiftungen, die steuerbegünstigte Zwecke im Ausland verwirklichen, müssen ihre Tätigkeiten daher belegen können.

Als Nachweise der satzungsmäßigen Mittelverwendung im Ausland können folgende gegebenenfalls ins Deutsche übersetzte Unterlagen dienen:

  • Im Zusammenhang mit der Mittelverwendung abgeschlossene Verträge und entsprechende Vorgänge,
  • Belege über den Abfluss der Mittel ins Ausland und Bestätigungen des Zahlungsempfängers über den Erhalt der Mittel,
  • ggf. schriftlicher Vertrag mit der Hilfsperson, in dem Inhalt und Umfang der Tätigkeiten sowie die Rechenschaftspflichten der Hilfsperson festgelegt sind,
  • ausführliche Tätigkeitsbeschreibungen der im Ausland entfalteten Aktivitäten,
  • Material über die getätigten Projekte (z. B. Prospekte, Presseberichte),
  • Gutachten eines Wirtschaftsprüfers bei großen oder langfristigen Projekten,
  • Zuwendungsbescheide ausländischer Behörden, wenn die Maßnahmen dort durch Zuschüsse u. Ä. gefördert werden,
  • Bestätigung einer deutschen Auslandsvertretung, dass die behaupteten Projekte durchgeführt werden,
  • die Satzung der Gesellschaft übersetzt in Deutscher Sprache und
  • Kopien der Personalausweise / Reisepässe der Verantwortlichen.

Welche Nachweise genau gefordert werden, entscheiden die deutschen Finanzbehörden nach Lage und Bedeutung des Falls unter Berücksichtigung der Verhältnismäßigkeit. Doch Vorsicht: Die deutschen gemeinnützigen Organisationen haben bei Auslandssachverhalten eine erhöhte Mitwirkungs- und Beweisvorsorgepflicht! Zeichnen Sie Ihre Aktivitäten daher ordnungsgemäß auf und bewahren Sie inbesondere Abrechnungs- und Buchführungsunterlagen im Inland auf.

Sollten Sie weitere Fragen zur steuerlichen Förderung Ihrer gemeinnützigen Tätigkeit haben, sprechen Sie uns einfach an. Unsere zertifizierten Stiftungsberater beraten Sie gerne umfassend und individuell.